
Der US-Dollar hat das schlechteste erste Halbjahr seit 50 Jahren hinter sich. Gemessen am US Dollar Index (DXY) hat die amerikanische Valuta seit Jahresbeginn rund 10% verloren. Gegenüber dem CHF handelt er noch bei knapp 80 Rappen.
Wird dem US-Dollar nun die Rolle als globale Reservewährung streitig gemacht?
Nein. Zwar hat der US-Dollar in den letzten 25 Jahren tatsächlich an Dominanz eingebüsst (also nicht erst seit Trump), bleibt aber heute dennoch verantwortlich für:
▪️ 85% der globalen Devisengeschäfte
▪️ 80% des weltweiten Rohstoffhandels
▪️ 58% der Devisenreserven (die SNB hält z.B. 40% ihrer Anlagen in US-Wertschriften)
▪️ 50% der internationalen Fremdwährungsanleihen
Schauen wir uns dennoch die Alternativen an:
1. Der Euro wäre prädestiniert als USD-Ersatz, ihm fehlt aber ein tiefer Kapitalmarkt und Liquidität (also Euro-Anleihen, analog US-Treasuries), zudem hat die Euro-Schuldenkrise dem Ansehen der Gemeinschaftswährung geschadet. Derzeit macht der Euro weniger als 20% der globalen Währungsreserven aus.
2. China und Indien haben einen immer grösseren Anteil an der globalen Wirtschaft, dem Yuan und der Rupie fehlen aber zwei wichtige Elemente: Offene Kapitalmärkte und frei konvertierbare Währungen.
3. Der Yen (Japan), das Pfund (Grossbritannien) oder auch der Franken (Schweiz) haben auf dem internationalen Parkett zu wenig Gewicht, um in den nächsten Jahrzehnten eine relevante Rolle einzunehmen.
4. Bei den Kryptowährungen kommen einzig Stablecoins in Frage – welche aber die Vorherrschaft des US-Dollars eher noch unterstützen, da sie an ihn gekoppelt sind (z.B. Tether, Circle). Stablecoins könnten in den nächsten Jahren dennoch eine wichtigere Rolle spielen und geniessen auch den Rückhalt der aktuellen US-Regierung (Stichwort Genius Act).
Kurzum: Es gibt keinen Prinzen, der sich in den nächsten Jahren als Thronfolger anbietet.
Der US-Dollar bleibt der König.