Author: Julien Savioz
15.10.26
Lesedauer:
6 Minuten

Devisenswap für Unternehmen: Funktionsweise und Einsatz

Ein Devisenswap wird häufig dann relevant, wenn nicht die Höhe eines Währungsrisikos, sondern der Zeitpunkt eines Zahlungsstroms angepasst werden muss.

Das Instrument kombiniert zwei gegenläufige Devisengeschäfte: Eine Währung wird für einen früheren Termin gekauft oder verkauft und zu einem späteren Termin wieder zurückgetauscht. Beide Transaktionen werden gleichzeitig vereinbart.

Damit lässt sich Fremdwährungsliquidität zeitlich verschieben oder die Fälligkeit einer bestehenden Absicherung anpassen, ohne die grundsätzliche Hedging-Strategie neu festzulegen.

Was ist ein Devisenswap?

Ein Devisenswap ist die Kombination aus einem Währungstausch für einen früheren Termin und einem gegenläufigen Rücktausch derselben Währungen für einen späteren Termin.

Typischerweise besteht der Swap aus einem Kassageschäft und einem Devisentermingeschäft. Die Wechselkurse für beide Transaktionen werden beim Abschluss festgelegt.

Das Unternehmen erhält damit eine Währung für einen bestimmten Zeitraum und gibt sie zum vereinbarten späteren Termin wieder zurück. Wirtschaftlich wird Liquidität in einer Währung vorübergehend gegen Liquidität in einer anderen Währung getauscht.

Wie funktioniert ein Devisenswap?

Vereinfacht besteht ein Devisenswap aus zwei Legs:

  • Short Leg: Kauf oder Verkauf einer Währung für den früheren Valutatag.
  • Long Leg: Gegenläufiger Rücktausch desselben Währungsbetrags zu einem späteren Valutatag.

Beide Legs werden gleichzeitig vereinbart. Nach Abwicklung des ersten Legs bleibt wirtschaftlich noch der vereinbarte Rücktausch für den späteren Termin bestehen.

Leg Zeitpunkt Transaktion Zweck
Short LegFrüherer ValutatagKauf oder Verkauf der FremdwährungLiquidität bereitstellen oder Position neutralisieren
Long LegSpäterer ValutatagGegenläufiger RücktauschWährungsposition zum späteren Termin zurückführen

Beispiel: EUR heute benötigen, aber erst später erhalten

Ein Schweizer Unternehmen erwartet in drei Monaten einen Zahlungseingang von EUR 1 Mio. Eine Lieferantenrechnung über denselben Betrag ist jedoch bereits heute fällig.

Statt EUR heute definitiv gegen CHF zu kaufen und die später eintreffenden EUR erneut zu wechseln, kann das Unternehmen vereinfacht einen Devisenswap einsetzen:

  • Heute kauft es EUR 1 Mio. gegen CHF und verfügt damit über die benötigte EUR-Liquidität.
  • Gleichzeitig verkauft es EUR 1 Mio. per Termin für den Zeitpunkt, an dem der erwartete EUR-Zahlungseingang eintrifft.

Der Swap überbrückt damit die zeitliche Differenz zwischen dem heutigen EUR-Bedarf und dem späteren EUR-Zufluss.

Voraussetzung bleibt, dass Betrag und Zeitpunkt der erwarteten Zahlungsströme ausreichend belastbar sind.

Wann kann ein Devisenswap für Unternehmen sinnvoll sein?

Ein Devisenswap kann insbesondere in drei Situationen relevant sein:

  • Ein Fremdwährungsbetrag wird heute benötigt, steht dem Unternehmen aber erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung.
  • Eine bestehende Devisenposition soll zeitlich verlängert oder verkürzt werden.
  • Kurzfristige Fremdwährungsliquidität soll gesteuert werden, ohne die Währungsposition dauerhaft zu verändern.

Das Instrument löst damit primär ein Timing- und Liquiditätsproblem. Es ersetzt nicht die vorgelagerte Entscheidung, welches Währungsrisiko das Unternehmen überhaupt tragen oder absichern will.

Devisenswap oder Devisentermingeschäft?

Ein Devisentermingeschäft besteht aus einem einzigen zukünftigen Währungstausch. Ein Devisenswap besteht dagegen aus zwei miteinander verbundenen, gegenläufigen Transaktionen zu unterschiedlichen Valutatagen.

Instrument Anzahl Transaktionen Typischer Einsatz Zeitliche Logik
Kassageschäft1Währung für kurzfristige Zahlung tauschenNahe Valuta
Devisentermingeschäft1Zukünftigen Wechselkurs fixierenEin zukünftiger Valutatag
Devisenswap2, gegenläufigLiquidität oder Position zeitlich verschiebenFrüherer und späterer Valutatag

Wenn es darum geht, einen zukünftigen Wechselkurs für ein Grundgeschäft festzulegen, steht typischerweise das Devisentermingeschäft im Vordergrund. Ein Swap wird vor allem relevant, wenn ein vorhandener Währungsbetrag oder eine bestehende Position zeitlich verschoben werden soll.

Wie kann ein Devisenswap ein Termingeschäft verlängern?

Verschiebt sich der Zahlungstermin eines bereits abgesicherten Grundgeschäfts, passt die ursprüngliche Fälligkeit des Termingeschäfts nicht mehr zum Zahlungsstrom.

Über einen Swap kann die Währungsposition vereinfacht vom bisherigen Valutatag auf den neuen Termin verschoben werden. Dabei wird die ursprüngliche Fälligkeit durch ein gegenläufiges Geschäft neutralisiert und gleichzeitig eine neue Position für den späteren Termin aufgebaut.

Die wirtschaftliche Wirkung hängt von den aktuellen Marktbedingungen und der neuen Laufzeit ab. Eine ausführliche Einordnung steht im Artikel Devisentermingeschäft verlängern, verkürzen oder auflösen.

Wie entsteht der Kurs eines Devisenswaps?

Die beiden Wechselkurse eines Devisenswaps sind nicht zwingend identisch.

Die Differenz zwischen dem früheren und dem späteren Kurs hängt wesentlich von der Terminkursbildung und damit von der Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen sowie von der Laufzeit ab.

Für die Einordnung ist deshalb dieselbe Logik relevant wie beim Terminkurs im Devisengeschäft.

Ein Swap sollte nicht deshalb als Gewinn oder Verlust interpretiert werden, weil der spätere Kurs über oder unter dem Kassakurs liegt. Die Differenz ist zunächst Bestandteil der Preisbildung über die beiden Valutatage.

Welche Risiken und Verpflichtungen bestehen?

Ein Devisenswap besteht aus zwei verbindlichen Geschäften. Das Unternehmen sollte deshalb beide Zahlungsströme und deren Termine verstehen.

  • Fällt der erwartete Fremdwährungszufluss aus oder verschiebt er sich erneut, kann eine neue offene Position entstehen.
  • Ändert sich der benötigte Betrag, kann der Swap zu gross oder zu klein sein.
  • Eine vorzeitige Änderung oder Auflösung erfolgt zu den dann geltenden Marktbedingungen und kann einen positiven oder negativen Marktwert erzeugen.
  • Je nach Gegenpartei und Rahmenvertrag können Limiten, Sicherheiten oder weitere operative Anforderungen gelten.

Der Swap reduziert deshalb nicht die Notwendigkeit einer sauberen Exposure- und Liquiditätsplanung. Er setzt sie voraus.

Devisenswap ist nicht dasselbe wie Cross-Currency-Swap

Die Begriffe werden teilweise vermischt, bezeichnen aber unterschiedliche Instrumente.

Beim hier beschriebenen Devisenswap werden Kapitalbeträge in zwei Währungen für zwei unterschiedliche Termine getauscht und später zurückgetauscht.

Ein Cross-Currency-Swap ist typischerweise längerfristiger und kann zusätzlich laufende Zinszahlungen in unterschiedlichen Währungen umfassen. Für das operative Währungsmanagement eines KMU ist diese Unterscheidung wichtig.

Wie sollte ein CFO entscheiden?

Vor dem Einsatz eines Devisenswaps sollten mindestens sechs Fragen beantwortet sein:

  1. Welcher konkrete Zahlungsstrom oder Liquiditätsbedarf soll zeitlich überbrückt werden?
  2. Sind Betrag und Termine beider Währungsströme ausreichend belastbar?
  3. Verändert der Swap nur den Zeitpunkt oder entsteht dadurch unbeabsichtigt ein neues Währungsrisiko?
  4. Welche Wechselkurse gelten für beide Legs und welche wirtschaftliche Wirkung entsteht daraus?
  5. Was passiert, wenn sich Betrag oder Termin des Grundgeschäfts erneut verändern?
  6. Ist der Einsatz des Instruments durch die Hedging-Policy und die internen Limiten gedeckt?

Ein Swap sollte damit nicht isoliert aufgrund eines attraktiven Kurses abgeschlossen werden. Er ist ein Werkzeug für die Umsetzung einer bereits definierten Hedging-Policy und Liquiditätsplanung.

Fazit

Ein Devisenswap kombiniert zwei gegenläufige Währungsgeschäfte zu unterschiedlichen Terminen.

Für Unternehmen ist er vor allem dann relevant, wenn Fremdwährungsliquidität zeitlich verschoben, ein kurzfristiger Liquiditätsbedarf überbrückt oder die Fälligkeit einer bestehenden Position angepasst werden soll.

Der Swap verändert jedoch nicht die grundlegende Entscheidungslogik des Währungsmanagements: Zuerst müssen Exposure, Risikoprofil und Strategie feststehen. Das Instrument folgt erst danach.

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