
Ein Schweizer Importeur erhält von seiner Bank einen Leveraged Forward mit einem attraktiven EUR/CHF-Strike. Was auf den ersten Blick nach einer besseren Absicherung aussieht, enthält eine wichtige Bedingung: Je nach Kursentwicklung muss das Unternehmen den einfachen oder den doppelten EUR-Betrag kaufen.
Genau dieser Unterschied entscheidet, ob das Produkt zum operativen Euro-Bedarf passt oder eine zusätzliche offene Währungsposition erzeugt.
Ein Leveraged Forward ist ein strukturiertes Devisengeschäft mit einer kursabhängigen Nominalverpflichtung.
In unserem 2:1-Beispiel verpflichtet sich der Importeur bei EUR/CHF oberhalb des Strikes zum Kauf des einfachen Betrags. Fällt EUR/CHF unter den Strike, muss er den doppelten Betrag zum gleichen Kurs kaufen.
Der attraktivere Strike ist damit nicht isoliert zu betrachten. Er steht im Zusammenhang mit einem asymmetrischen Nominalrisiko.
Die Produktbezeichnung allein sagt wenig darüber aus, welcher Anteil des tatsächlichen Exposures in beiden Marktrichtungen zuverlässig geschützt ist.
Die Produktpräsentation verwendet zwölf monatliche Verfälle, einen Strike von EUR/CHF 0.90 und EUR 150’000 beziehungsweise EUR 300’000 je Verfall.
Wir rechnen bewusst mit einem tatsächlichen Euro-Bedarf von EUR 150’000 pro Monat.
Im gehebelten Szenario kauft das Unternehmen EUR 300’000, benötigt für sein Grundgeschäft jedoch nur EUR 150’000. Für die Modellrechnung unterstellen wir, dass die überschüssigen EUR 150’000 sofort zum aktuellen Kassakurs wieder verkauft werden.
Dadurch lässt sich das Overhedging-Risiko wirtschaftlich quantifizieren.
Das Unternehmen kauft EUR 150’000 zum Strike von 0.90 für CHF 135’000.
Ein ungesicherter Kauf würde CHF 141’000 kosten.
Der Vorteil durch die Absicherung beträgt CHF 6’000.
In diesem Szenario erfüllt der Leveraged Forward seine Schutzfunktion für den angenommenen Euro-Bedarf.
Der Leveraged Forward verpflichtet zum Kauf von EUR 300’000 zu 0.90, also zu CHF 270’000.
Die überschüssigen EUR 150’000 werden zum Kassakurs von 0.88 für CHF 132’000 verkauft.
Die Nettokosten des tatsächlich benötigten Betrags betragen damit CHF 138’000.
Bei einem ungesicherten Einkauf hätte das Unternehmen lediglich CHF 132’000 bezahlt.
Die Mehrkosten betragen somit CHF 6’000. Der implizite effektive Einkaufskurs für den tatsächlich benötigten Betrag liegt bei EUR/CHF 0.92.
Obwohl der vertragliche Strike 0.90 beträgt, fällt das wirtschaftliche Ergebnis aufgrund der doppelten Kaufverpflichtung ungünstiger aus.
Auch in diesem Szenario muss das Unternehmen EUR 300’000 zu 0.90 kaufen.
Die Kaufkosten betragen CHF 270’000.
Aus dem Verkauf der überschüssigen EUR 150’000 zum Kassakurs von 0.84 fliessen CHF 126’000 zurück.
Damit kostet der tatsächlich benötigte Betrag von EUR 150’000 netto CHF 144’000.
Ohne Absicherung hätte das Unternehmen CHF 126’000 bezahlt.
Die Mehrbelastung beträgt CHF 18’000. Der effektive Einkaufskurs steigt rechnerisch auf EUR/CHF 0.96.
Diese Rechnung zeigt, weshalb die maximale Nominalverpflichtung nicht mit der geplanten Absicherungsquote verwechselt werden darf.
Sie unterstellt einen sofortigen Kassaverkauf des Überschusses. Andere Dispositionen verändern den Zeitpunkt und die Art des Risikos, beseitigen es aber nicht automatisch.
Das hängt vom zugrunde liegenden Fremdwährungsbedarf ab.
Bei einem monatlichen Euro-Bedarf von EUR 150’000 entsteht im gehebelten Szenario ein Überhang von EUR 150’000.
Benötigt das Unternehmen hingegen monatlich EUR 300’000, werden bei einem EUR/CHF-Kurs oberhalb des Strikes nur EUR 150’000 über den Leveraged Forward zum vereinbarten Kurs gekauft.
Die verbleibenden EUR 150’000 müssen anderweitig abgesichert oder zum aktuellen Marktkurs beschafft werden.
Ein Leveraged Forward kann deshalb je nach Kursentwicklung sowohl Overhedging als auch Underhedging verursachen.
Das gilt selbst dann, wenn der angebotene Strike attraktiver erscheint als der Kurs eines gewöhnlichen Termingeschäfts.
Ein Einsatz ist nur dann prüfenswert, wenn das Unternehmen die maximale vertragliche Verpflichtung wirtschaftlich tragen und einer realistischen Verwendung zuordnen kann.
Dazu braucht es einen belastbaren Zahlungsplan, ausreichende Liquidität und klare Regeln für den Umgang mit allfälligen Währungsüberschüssen.
Bei unsicheren Bestellungen, stark schwankendem Fremdwährungsbedarf oder fehlenden Risikolimiten ist die Struktur besonders kritisch zu beurteilen.
Vor Abschluss sollten mindestens ein Stressszenario deutlich unterhalb des Strikes und eine Analyse des maximal möglichen Gesamtnominals erstellt werden.
Im Beispiel ergeben zwölf vollständig gehebelte Verfälle rechnerisch eine maximale Verpflichtung von EUR 3,6 Mio.
Diese Zahl entspricht jedoch nicht automatisch dem tatsächlichen Euro-Bedarf des Unternehmens.
Ein klassisches Devisentermingeschäft fixiert einen Nominalbetrag und einen Wechselkurs.
Eine gekaufte Vanilla Option gibt dem Käufer dagegen ein Ausübungsrecht gegen Bezahlung einer Optionsprämie.
Ein Target Redemption Forward (TARF) kann ebenfalls eine gehebelte Nominalverpflichtung enthalten. Zusätzlich verfügt er über eine Zielbedingung, die zur vorzeitigen Beendigung führen kann.
Diese Mechanismen sollten nicht miteinander verwechselt werden.
Der Leveraged Forward ist insbesondere anhand seines wechselkursabhängigen Nominalbetrags zu beurteilen.
Vor Abschluss sollten drei Fragen im Vordergrund stehen:
Der maximale Nominalbetrag gehört in die Überwachung der Hedge Ratio – nicht nur der einfache Nominalbetrag.
Die grundsätzliche Zulässigkeit gehebelter FX-Produkte und die entsprechenden Freigabegrenzen sollten zudem in der Hedging-Policy dokumentiert sein.
Nein.
Der Hebel bezeichnet hier zunächst die Verdoppelung des verpflichtenden Nominalbetrags in einem bestimmten Kursszenario.
Die wirtschaftlichen Folgen hängen vom aktuellen Kassakurs und dem tatsächlichen Grundgeschäft ab.
Grundsätzlich ja, sofern später ein entsprechender Euro-Bedarf besteht.
Damit kann sich das Währungs- und Liquiditätsrisiko allerdings in einen späteren Zeitraum verschieben. Die Verwendung, Verfügbarkeit und Fälligkeiten müssen deshalb sorgfältig geprüft werden.
Nein.
Ein attraktiver Strike muss immer gemeinsam mit den vollständigen Nominalverpflichtungen und den wirtschaftlichen Ergebnissen verschiedener Kursszenarien beurteilt werden.
Beim Leveraged Forward liegt das zentrale Risiko nicht im Begriff «Forward», sondern im wechselkursabhängigen Nominalbetrag.
Ein attraktiver Strike kann durch einen Überschuss an Fremdwährung wirtschaftlich vollständig überkompensiert werden.
Für Schweizer KMU ist deshalb entscheidend, dass die maximale vertragliche Verpflichtung zum tatsächlichen Währungsbedarf, zur Liquiditätsplanung und zur Risikostrategie passt.
Eine unabhängige Beurteilung der bestehenden Absicherungsstrategie und der eingesetzten FX-Produkte ist über unser FX-Assessment möglich.