
Nicht jedes Währungsrisiko muss abgesichert werden.
Ein vollständiger oder teilweiser Verzicht kann sinnvoll sein, wenn das Fremdwährungsvolumen im Verhältnis zum Geschäft unwesentlich ist, die Margen ausreichend hoch sind oder Preise kurzfristig angepasst werden können.
Entscheidend ist, dass der Verzicht aus dem Geschäftsmodell und dem Risikoprofil abgeleitet wird und nicht aus einer Marktmeinung.
Auch Nicht-Absichern ist ein Risikoentscheid.
Eine Absicherung ist nicht automatisch erforderlich, nur weil Fremdwährungszahlungen bestehen.
Ein Verzicht kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn:
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Haben wir ein Währungsrisiko? Sondern: Ist dieses Risiko für unser Unternehmen wesentlich?
Diese Beurteilung setzt voraus, dass Exposure und mögliche Ergebniswirkung zunächst quantifiziert wurden. Wie das erfolgt, zeigt der Artikel zum Währungsrisiko berechnen.
Dieses Argument ist berechtigt. Kaum ein KMU kann seinen Währungsbedarf auf den Franken genau planen.
Eine zu hohe Absicherung kann selbst ein Risiko erzeugen, wenn das erwartete Grundgeschäft später nicht oder in geringerem Umfang eintritt. Dieses sogenannte Overhedging kann dazu führen, dass mehr Fremdwährung abgesichert wurde, als tatsächlich benötigt wird.
Unsicherheit spricht deshalb nicht zwingend gegen eine Absicherung. Sie spricht eher dafür, die Hedge Ratio und den Planungshorizont an die Qualität des Forecasts anzupassen.
Je unsicherer ein zukünftiges Exposure ist, desto tiefer kann die Absicherungsquote gewählt werden.
Diese Aussage entsteht häufig im Rückblick.
Entwickelt sich der Wechselkurs günstig, erscheint eine Absicherung nachträglich als unvorteilhaft. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass die ursprüngliche Entscheidung falsch war.
Das Ziel einer Währungsabsicherung ist nicht, rückblickend den bestmöglichen Kurs erzielt zu haben. Ihr Zweck besteht darin, unerwünschte Ergebnisvolatilität zu begrenzen und die Planbarkeit zu erhöhen.
Eine Absicherung sollte deshalb nicht anhand der Frage beurteilt werden: Wären wir ohne Absicherung besser gefahren? Sondern: Hat die Absicherung das Risiko im Rahmen unserer definierten Strategie begrenzt?
Diese Einschätzung ist insbesondere bei Schweizer Importeuren verbreitet.
Ein langfristiger Trend kann jedoch starke Gegenbewegungen enthalten. Für ein Unternehmen ist nicht nur entscheidend, wo ein Wechselkurs in mehreren Jahren steht, sondern welche Bewegung während des konkreten Budget- und Zahlungszeitraums auftreten kann.
Eine ungünstige Gegenbewegung kann das Ergebnis genau in einer Periode belasten, in der wenig Spielraum besteht. Eine langfristige Wechselkursmeinung ersetzt deshalb keine Beurteilung des kurzfristigen finanziellen Risikos.
Bei der Beurteilung von Termingeschäften wird häufig nur auf den aktuellen Kassakurs geschaut. Das greift zu kurz.
Auch die Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen beeinflusst den Terminkurs. Liegt das Schweizer Zinsniveau tiefer als jenes der Fremdwährung, können Schweizer Importeure diese Fremdwährung auf Termin mit einem Abschlag gegenüber dem Kassakurs kaufen.
Die Aussage «der Franken wird langfristig ohnehin stärker» reicht deshalb auch aus Sicht eines Devisentermingeschäfts nicht aus.
Über längere Zeiträume können sich positive und negative Wechselkurseffekte teilweise ausgleichen. Für ein Unternehmen ist jedoch entscheidend, wann diese Effekte auftreten.
Ein erheblicher Währungsverlust kann das Ergebnis genau dann belasten, wenn Margen ohnehin unter Druck stehen oder wenig finanzieller Spielraum vorhanden ist.
Absicherung verhindert nicht jede Schwankung. Sie kann aber dazu beitragen, deren Auswirkungen planbarer zu machen.
Viele Diskussionen über Hedging drehen sich um die Frage, ob der aktuelle Wechselkurs attraktiv ist. Damit werden Risikoentscheidung und Marktmeinung vermischt.
Ein Unternehmen kann erwarten, dass der Franken langfristig stärker wird und trotzdem einen Teil seines EUR-Risikos absichern. Ebenso kann ein Wechselkurs als unattraktiv beurteilt werden und eine Absicherung dennoch sinnvoll sein, wenn die mögliche Ergebnisbelastung ohne Absicherung zu gross wäre.
Die zentrale Frage lautet deshalb nicht: Wo wird EUR/CHF in sechs Monaten stehen? Sondern: Welche Ergebniswirkung können und wollen wir bis dahin tragen?
Die Entscheidung lässt sich vereinfacht auf vier Fragen zurückführen:
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich beurteilen, ob eine vollständige, teilweise oder keine Absicherung sinnvoll ist. Eine pauschale Antwort gibt es nicht.
Die Entscheidung lautet nicht zwingend: 100 Prozent absichern oder gar nicht absichern.
Über die Hedge Ratio lässt sich definieren, welcher Teil des Risikos bewusst begrenzt und welcher Teil offen gelassen wird.
Ein Unternehmen kann beispielsweise nur einen Teil seines Netto-Exposures absichern. Dadurch bleibt ein Teil der möglichen positiven Wechselkursentwicklung erhalten, während die negative Ergebniswirkung begrenzt wird.
Gerade für KMU ist eine teilweise Absicherung deshalb häufig relevanter als die Frage nach einem vollständigen Hedge.
Auch ein offenes Exposure sollte bewusst gewählt werden. Nicht-Absichern bedeutet nicht, dass kein Entscheid getroffen wurde. Es bedeutet, dass das Unternehmen das verbleibende Risiko bewusst trägt.
Währungsabsicherung ist weder grundsätzlich richtig noch grundsätzlich notwendig.
Entscheidend ist, welche finanzielle Wirkung Wechselkursschwankungen für das konkrete Unternehmen haben können.
Ein Verzicht auf Absicherung kann sinnvoll sein, wenn das Risiko unwesentlich oder wirtschaftlich gut tragbar ist. Ist die mögliche Ergebniswirkung dagegen erheblich, sollte die Frage nicht anhand einer Wechselkursmeinung beantwortet werden.
Absichern oder nicht absichern ist eine Risikofrage – keine Prognosefrage.
Der vollständige Entscheidungsprozess ist im Leitfaden zu Währungsrisiken für Schweizer KMU zusammengefasst.